Das droht mittlerweile selbst dem angestammten Geschäft mit PC-Betriebssystemen und Office-Software gefährlich zu werden. Zwar konnte Microsoft mit Windows 7 einen Erfolg bei den Betriebssystem landen – aber auch wenn Apples iPad noch nicht der große Wurf sein mag, der die IT- und Medienwelt endgültig umwälzt, so ist doch absehbar, dass der klassische PC für alltägliche Aufgaben, die man bislang mit dem Desktop-Rechner oder wenigstens mit dem Windows-Note- oder -Netbook erledigte, nicht mehr die Hardware der Wahl ist. Und moderne Mobilgeräte sowie leistungsfähige Internetanbindungen können über Webanwendungen gar die lokale Produktivitätssoftware vom Schlage eines Word, Excel oder Powerpoint für viele Anwender überflüssig machen. Dass Microsoft die Gefahr für das eigene Geschäft und die Lücken im eigenen Portfolio erkannt hat, wird der Konzern nicht müde zu betonen. Bislang waren aber seine Aufholversuche nicht mit besonders viel Fortune gesegnet. Die Umstrukturierung der Sparte "Entertainment and Devices" oder mögliche neue Pläne für Windows Mobile sind deutliche Zeichen. Derzeit aber sprechen zumindest die Geschäftszahlen noch deutlich für Microsoft: Im zweiten Quartal seines Geschäftsjahrs steigerte Microsoft seinen Nettogewinn im Jahresvergleich um 60 Prozent auf 6,662 Milliarden US-Dollar (74 US-Cent pro Aktie). Der operative Gewinn lag bei 8,513 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 43 Prozent. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 19,022 Milliarden US-Dollar. In den Zahlen sind insgesamt 1,71 Milliarden US-Dollar an sogenanntem Deferred Revenue enthalten; diese im deutschen Rechnungswesen passiver Rechnungsabgrenzungsposten genannten Umsätze resultieren in diesem Fall aus dem Windows-7-Upgrade-Programm, mit dem Kunden beim Kauf eines PC bereits eine Option auf Windows 7 vor seiner allgemeinen Verfügbarkeit erwerben konnten, sowie aus Vorabverkäufen an PC-Hersteller. Ohne diese Einkünfte lag der Quartalsumsatz von Microsoft noch mit 4 Prozent im Plus bei 17,31 Milliarden US-Dollar, im zweiten Quartal des Vorjahrs lag er bei 16,367 Milliarden US-Dollar. Die außergewöhnliche Nachfrage nach Windows 7 habe zu dem Umsatzwachstum geführt, kommentierte Microsofts neuer Finanzchef Peter Klein. Und das weiter vorangetriebene Kostenmanagement habe dem Konzern ermöglicht, die Gewinne noch stärker als die Umsätze zu steigern. Im zweiten Quartal hat Microsoft nach eigenen Angaben über 60 Millionen Kopien von Windows 7 verkauft, damit sei es das bislang am schnellsten verkaufte Betriebssystem. Entsprechend konnte die Sparte "Windows & Windows Live" auch den Umsatz im Jahresvergleich von 4,064 auf 6,904 Milliarden US-Dollar steigern. Der operative Gewinn der Sparte kletterte von 2,712 auf 5.394 Milliarden US-Dollar. In anderen Bereichen sieht es nicht ganz so gut aus: Der Bereich "Server and Tools" konnte immerhin den Umsatz von 3,755 auf 3,844 Milliarden US-Dollar steigern, der operative Gewinn lag bei 1,491 Milliarden US-Dollar nach 1,375 Milliarden US-Dollar im gleichen Quartal des Vorjahrs. In der "Business Division" (zu der die Office-Pakete und Unternehmenssoftware gehören) fiel dagegen der Umsatz von 4,881 auf 4,745 Milliarden US-Dollar, der operative Gewinn stagnierte bei 3,010 Milliarden US-Dollar (Vorjahresquartal: 3,021 Milliarden US-Dollar). Die Sparte für Online-Services, die Microsoft selbst als strategisch bedeutsam für die Zukunft des Unternehmens hält, mit der es aber bislang wenig Glück hat, verbuchte einen Umsatzrückgang von 609 auf 581 Millionen US-Dollar und weitete den Verlust von 320 auf 466 Millionen US-Dollar aus. Bei "Entertainment and Devices" sackte der Umsatz gar von 3,256 auf 2,902 Milliarden US-Dollar ab, immerhin stieg hier der operative Gewinn von 130 auf 375 Millionen US-Dollar. Das Rekordquartal für Microsoft geht also vor allem auf Windows 7 zurück, dessen Einführung eine Art Sonderkonjunktur für den Konzern auslöste und durch den Deferred Revenue aus dem Vorquartal den Bilanzen zusätzlich auf die Sprünge half. Microsoft hegt nun die Hoffnung, dass Windows 7 auch in der Lage ist, die IT-Ausgaben der Unternehmen wieder anzuheizen. Die Börsianer scheinen sich nicht klar darüber zu sein, ob sie Microsoft darin folgen sollen oder ob die Schwächen in anderen Bereichen die Stärke mit Windows 7 überwiegen: Zu Beginn des nachbörslichen Handels in New York, nach Vorlage der Microsoft-Zahlen am Donnerstagabend, ging der Kurs der Microsoft-Aktie zurück, um dann erst einmal wieder anzuziehen. |